Vom Nebenprodukt zur Wertschöpfung

Forscher finden eine neue Verwendungsmöglichkeit für das bei der Papierherstellung anfallende Nebenprodukt Lignin: als Bio-Flammschutz für Kunststoffe.

Lignin fällt bei der Papierherstellung als Nebenprodukt an. Bisher wird es weitgehend verbrannt und zur Energiegewinnung für die Papierfabriken eingesetzt. Die Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF möchten Lignin weiter verarbeiten um aus dem Rohstoff Holz mehr heraus zu holen.

Der Weg zum Flammschutz

Lignin besteht aus Makromolekülen, die in der pflanzlichen Zellwand eingelagert sind und die Verholzung der Zelle bewirken. Wird Lignin bei der Kunststoffverarbeitung beigemengt, kann es die Entflammbarkeit von Kunststoffen reduzieren. Um diesen Effekt weiter zu verstärken, müssen phosphorhaltige Verbindungen vorliegen. Trotzdem ist die Flammhemmung zu gering um in der Industrie Fuß zu fassen. Daran hat das Fraunhofer LBF gearbeitet und eine neue Erkenntnis ausgearbeitet: Wird Phosphor chemisch an das Lignin angebunden, zeigen Brandtests bei Kunststoffen eine geringere Wärmeentwicklung.

Neue Märkte für die Papierindustrie

Mithilfe dieser neuen Erkenntnis können Hersteller von Kunststoffprodukten wie zum Beispiel Elektroanwendungen oder öffentlichen Verkehrsmitteln nachhaltige Produkte herstellen. Der Papierindustrie eröffnen sich neue Märkte für ein wertschöpfendes Nebenprodukt. Dr. Roland Klein, Gruppenleiter im Fraunhofer LBF betont: „Die Identifizierung neuer Anwendungen für Abfallprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen ist gesellschaftlich relevant. Wir können damit fossile Ressourcen schonen, ohne mit der Nahrungsmittelproduktion in Konkurrenz zu treten.“