Wieder im Wind

Nach der Reparatur im April erzeugt die Windkraftanlage bei Antendorf wieder AuVento-Strom für Stadtwerke-Kunden. Eine Kooperation mit Vorbildcharakter.

Das defekte Azimut-Getriebe war schuld daran, dass sich die Bürger-Windkraftanlage der Windkraft Auetal GbR im Frühjahr vor einer ungewissen Zukunft befand. Seit dem 24. Februar stand sie still. Normalerweise wäre es nötig gewesen, die Anlage fast vollständig zu zerlegen, das Getriebe zu reparieren und alles wieder aufzubauen. „Das wäre extrem teuer geworden und hätte sich wohl nicht rentiert“, so Andreas Held, einer der Geschäftsführer der GbR.
Doch die erfahrenen Monteure der Firma Wind-Max aus Melle hatten eine Idee: Sie schnitten die Gondel auf und tauschten mithilfe eines Krans das 250 Kilo schwere Getriebe aus, dessen Kugellager kaputt war – eine spektakuläre Aktion. Nun erzeugt die Bürger-Windkraftanlage wieder CO2-freien Strom, der in das von den Stadtwerken Rinteln betriebene Netz der Netzgesellschaft Auetal fließt.

Vorreiter mit regionaler Direktvermarktung

Seit 2017 bieten die Stadtwerke Rinteln diesen Windstrom ihren Kunden exklusiv als „AuVento“-Strom an, unter dem Motto „aus dem Auetal für das Auetal“. Grundlage dafür ist eine Kooperation mit dem Stromproduzenten: Die Stadtwerke haben mit der GbR einen Vertrag über den Direktverkauf des Stroms abgeschlossen.
„Dieses Modell der Direktvermarktung zwischen einem Windkraftanlagen-Betreiber und einem kleineren Stadtwerk war zu diesem Zeitpunkt einzigartig in Deutschland“, erinnert sich Thomas Rinnebach, Prokurist bei den Stadtwerken Rinteln. Weil die Windkraftanlage Ende 2020 aus der EEG-Förderung fällt, hatte die GbR einen lokalen Partner gesucht, der die Vermarktung des Stroms übernimmt. Für die Betreiber bedeutet die Kooperation mit den Stadtwerken nun eine Zukunftsperspektive, durch die sie weiter Windstrom im Auetal produzieren und dabei Rücklagen für Reparaturen bilden können.

Erzeugung bis 2026 gesichert

Die Windkraft Auetal GbR, der rund 50 Gesellschafter angehören, betreibt das Windrad zwischen Antendorf und Raden seit 1994. Als nach 20 Jahren die baurechtliche Genehmigung ausgelaufen war, konnte sie mit einem neuen Gutachten 2014 nachweisen, dass die Anlage noch für weitere zwölf Jahre die Anforderungen an Stand- und Betriebs­sicherheit erfüllt. Es gibt für diese Zeitspanne eine neue Betriebserlaubnis. GbR-Geschäftsführer Andreas Held freut sich: „Durch die Genehmigung und durch den Vertrag mit den Stadtwerken Rinteln haben wir jetzt eine sehr positive Perspektive bis 2026.“

Stadtwerke: Kooperation auch für Solarstrom denkbar

Auch die Stadtwerke sind mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden. Sie prüfen derzeit, ob sich das Modell auf private Photovoltaik-Anlagen übertragen lässt. Thomas Rinnebach: „In den kommenden Jahren werden auch private Solaranlagen aus der EEG-Förderung fallen. Viele Betreiber wissen nicht, wie es dann weitergeht, da ihre Solaranlagen meist noch voll funktionsfähig sind.“
Denkbar sei es, den Eignern die Strommengen abzunehmen und diesen Strom den Stadtwerke-Kunden anzubieten, als weiteres regionales CO2-freies Produkt. „Es ist eine schöne Zukunfts-Idee: TrendStrom Solar, Solarstrom aus Rinteln für Rinteln. Doch bis dahin müssten noch eine Menge Hürden genommen werden, besonders in technischer Hinsicht“, so der Stadtwerke-Prokurist Thomas Rinnebach.