Über den Wolken

Atemberaubende Ausblicke, ein Gefühl von Freiheit: Die Frauen und Männer des Luftsportvereins Rinteln sind der Magie des Segelfliegens erlegen.

Sie heißen Neulinge gerne willkommen.

Wer in Rinteln viele Hundert Meter hoch in die Luft gehen will, der fährt zuerst nach Südwesten. Hier liegt der Verkehrslandeplatz der Stadt, mit Start- und Landebahnen, Tower, Flugzeughallen und der Vereinsgaststätte „Cumulus“. Der kleine Flugplatz ist das Zuhause des Rintelner Luftsportvereins (LSV), der 1951 als „Luftsportverein Grafschaft Schaumburg, Untergruppe Rinteln“ gegründet wurde. Seine besonderen Sportgeräte sind in der Haupthalle untergebracht: fünf vereinseigene Segelflugzeuge, dazu ein Motorsegler und ein Motorflugzeug.
Es ist das lautlose Fliegen, das die meisten hier besonders fasziniert. „Segelfliegen hat Suchtpotenzial“, bestätigt LSV-Ausbildungsleiter Norbert Siebert augenzwinkernd. Der Verein legt großen Wert auf die Nachwuchsarbeit und die Ausbildung junger Segelflieger, für die zehn ehrenamtliche Fluglehrer zur Verfügung stehen. Erst kürzlich fand ein vierwöchiger Schnupperkurs statt, der auf große Nachfrage gestoßen ist. Bis zu zehn Mal durften die Neulinge abheben, an der Winde oder hinter einem Motorflugzeug. Gleich mehrere Teilnehmer traten anschließend in den Verein ein, um das Segelfliegen von Grund auf zu erlernen.
Loslegen mit der Ausbildung dürfen Jugendliche schon ab 14 Jahren. Für alle steht neben dem Fliegen auch Theorie auf dem Lehrplan, darunter Luftrecht, außerdem ein Erste-Hilfe-Kurs. Etwa zwei bis drei Jahre dauert es bis zur Segelfluglizenz.

Mit Herz und Hand für den Verein

Die Begeisterung für das Fliegen verbindet alle im Verein, doch zum Gemeinschaftsgefühl und den vielen Freundschaften trägt noch etwas anderes bei: Die Mitglieder arbeiten zusammen für den Verein und den Flugplatz, jeder 50 Stunden im Jahr. Es gibt immer etwas zu tun, vom Rasenmähen auf Start- und Landeflächen bis zum Streichen von Wänden sowie Instandsetzung, Wartung und Reparatur von Flugzeugen und Autos. Selbstredend, dass keiner ohne die fachliche Aufsicht ausgebildeter Werkstattleiter Hand anlegt. Zudem werden alle Flugzeuge jährlich vom „Flugzeug-TÜV“ überprüft. Auch das Segelfliegen selbst sei ein Teamsport, betont Dieter Vogt, zweiter Vorsitzender des Vereins: „Allein kommt man gar nicht in die Luft! Wir brauchen mindestens fünf Personen: einen Startleiter, einen Windenfahrer, den Flugleiter, jemanden, der die Fläche hält, und einen weiteren, der die Seile von der Winde zurück an den Startpunkt holt.“

Die ersten Schnupperkurs­teilnehmer werden von Fluglehrer Uli Gmelin (2. v. r.) in die Bedienelemente des Segelflugzeugs eingewiesen.

Vorbereitungen für einen Bundesligaflug: Willi Wielage (v. l.), Reinhard Schramme und Thomas Seipp checken das Klapptriebwerk des Nimbus 4M.

Tempo, wie auf der Autobahn

Für die meisten Rintelner Segelflieger ist der Luftsport ein Hobby. Doch es gibt auch einige „Profis“, die in der 1. Segelflug-Bundesliga erfolgreich sind. „Der ganze Verein steht hinter den Piloten, unterstützt sie bei den Startvorbereitungen zu den Wertungsflügen und drückt ihnen die Daumen“, so Dieter Vogt.
Tatsächlich sind die LSV-Flieger derzeit sehr erfolgreich: Im August holten sie, nach einem spannenden Duell mit dem FSC Odenwald Walldürn, erneut den Deutschen Meistertitel nach Rinteln. Auch wenn das Segelfliegen von unten eher beschaulich wirkt: In der Bundesliga zählt die Geschwindigkeit. In jeder Runde werden pro Verein die jeweils drei schnellsten Flüge über einen Zeitraum von 150 Minuten gewertet. Geflogen werden im Schnitt Geschwindigkeiten zwischen 80 und 120 km/h, an Spitzentagen können es auch in der heimischen Region mal bis zu 150 km/h sein.

VizeweltMeister aus Rinteln

Besonders erfolgreich sind die Frauen unter den Rintelner Segelfliegern. So holte sich etwa Christine Grote erst im Januar 2020 in Australien den Vizeweltmeistertitel.
Wer Lust auf das leise Gleiten durch die Lüfte ­bekommen hat, findet weitere Informationen unter www.lsv-rinteln.de. Gern können Interessierte mit den Vereinsvorsitzenden Stephan Beck oder Dieter Vogt in Kontakt treten.