Präzision in Aluminium

Friedhelm Rose entdeckte die Marktlücke: Gehäuse für Elektronik. Matthias und Betty Rose bauen heute die Modellreihen weiter aus und perfektionieren Knowhow, Technik, Logistik und Vertrieb.

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106 Mitarbeiter sind bei Rolec in Rinteln beschäftigt.

Playern mit eigenen Büros in Russland, einer Niederlassung in Indien, Vertretern in den USA. In China ist gerade ein Joint Venture im Aufbau. Eine Rolec-Präsenz in Europa ist da schon fast eine Selbstverständlichkeit. Firmenchef Matthias Rose fasst es so zusammen: „Wir sind praktisch in allen Industrienationen der Welt vertreten, 51 Prozent unserer Gehäuse geht in den Export.“ 

Rose-Gehäuse, benannt nach ihrem Erfinder, sind in der Industrie ein Begriff für Aluminium-Gehäuse wie Tempos für Taschentücher oder Pampers für Babywindeln. Die Idee von Friedhelm Rose war so einfach wie bestechend: Elektronik im weitesten Sinn war gerade dabei, in eine für diese Technologie feindliche Umwelt auszuwandern. Die hochsensible Technik musste geschützt werden, wenn sie in Industrieanlagen und außerhalb von Gebäuden bei Wind und Wetter noch funktionieren sollte. So entwickelten der Vater und Sohn Matthias mit ihren Technikern die dafür notwendigen Gehäuse, staub- und wasserdicht, einen Schutz gegen Hitze, Kälte und Druck. Es war Tüftel- und Erfinderarbeit im besten Sinn und die Roses haben Verfahren entwickelt, auf die sie heute viele Patente in Deutschland und den USA halten.

Rolec-Gehäuse schützen Elektronik im Airbus und im ICE – sogar in den Feuerlöschanlagen amerikanischer Militärfahrzeuge. Auch im Alltag, vor der Haustür, begegnet man Rolec: Öffnet sich in der Obermarktpassage in Minden die Glastür wie von Geisterhand, ist Rolec dabei. Die Gaswarner der Firma Dräger in Tiefgaragen arbeiten in Rolec-Gehäusen, wie auch die DSL-Anschlüsse für das Internet an vielen russischen Schulen. Viele Geräte, mit denen sich Postzusteller den Empfang einer Sendung bestätigen lassen, schützt ein Handcase made by Rolec.

Der Erfolg des Rintelner Unternehmens drückt sich in Zahlen aus – 16,1 Millionen Euro Umsatz im letzten Jahr – und lässt sich an der Firmengeschichte ablesen: Mit drei Mitarbeitern hat Friedhelm Rose 1961 in Bad Oeynhausen mit dem Schaltgerätebau begonnen. Neun Mitarbeiter waren es 1987 in Rinteln im Unternehmen Rolec Gehäusesysteme Rose & Rose GmbH & Co. KG. Heute arbeiten in den modernen, hohen Hallen im Industriegebiet Süd 106 Beschäftigte.

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In die modernen Produktionshallen fließen regelmäßig hohe Inves-titionen.

Vieles ist noch Handarbeit, weil Rolec auch kleine Stückzahlen produziert. Und Rolec bildet aus in den Berufen Zerspanungsmechaniker, Technischer Produktionsdesigner, Lagertechnik und Industriekaufmann. Selbstverständlich sind in diesen Berufen auch weibliche Bewerber willkommen.Ein Geheimnis des Erfolges ist die Abstimmung der Rose-Produkte auf die Bedürfnisse der Kunden – von der Größe bis zur Ausführung. Nur ein Beispiel: Gehäuse in der Erdölindustrie wie in der Chemieindustrie dürfen sich nicht statisch aufladen: Explosionsgefahr!

Produziert wird jede gewünschte Stückzahl. Das ist nur auf den ersten Blick teurer als eine Massenherstellung. Matthias Rose erklärt, warum: „Wir sparen dem Kunden Geld und Zeit, weil Konkurrenzprodukte nachgearbeitet werden müssen. Unsere nicht, weil beispielsweise Vertiefungen für Folientastaturen bei Konkurrenzprodukten gefräst werden müssen. Bei uns sind sie bereits im Standardgehäuse vorhanden.“ Wer dagegen genormte Gehäuse sucht, kann unter 500 Gehäuseformen und rund 3 000 Varianten auswählen. Dazu gibt es ein umfangreiches Zubehörprogramm. Selbstverständlich sei schon außerhalb Europas versucht worden, die Gehäuse zu kopieren, sagt Matthias Rose, aber Rolec-Qualität habe keiner erreicht. Das wissen auch die Kunden. 

Die Fertigungsanlagen sind ebenso modern wie die Energie- und Umwelttechnik: Das Abwasser des Unternehmens wird destilliert, die Abwärme der Produk-tion über Wärmetauscher genutzt, um die Hallen im Winter zu heizen. Ein Blockheizkraftwerk produziert Strom. Hier kommen auch die Stadtwerke ins Spiel, die dem Unternehmen 750 000 Kilowattstunden Strom und 1,1 Millionen Kilowattstunden Gas im Jahr liefern.

Die rasant wandelnde Technologie lässt Matthias und Betty Rose optimistisch in die Zukunft blicken. Weil Elektronik in immer mehr Produkte eingebaut wird, die „outdoor“ und bei ungünstigen Bedingungen in Industrie und Business funktionieren müssen, werden auch künftig Rolec-Gehäuse gebraucht. Dass Rolec deshalb längst bei der Windkraft und Fotovoltaik im Geschäft ist, versteht sich da fast von selbst.