Präzision im großen Maßstab

Bauteile der Rintelner Firma Sander kennt jeder vor Ort, auch wenn der Unternehmensname nicht ausdrücklich draufsteht: So etwa die Stelen auf dem Kreisel in der Rintelner Nordstadt.

Zahlreiche Kunstwerke wurden bei Sander nach den Vorgaben der Künstler aus Stahlblech
geschnitten .

Im Rest der Welt ist die Sander Maschinenbau
GmbH & Co. KG im Industriegebiet Süd in
der Braasstraße ein Begriff als Spezialist und
Zulieferer für Bauteile der Marke XXXL. „Dafür
sind unsere Anlagen ausgelegt“, schildert
Betriebsleiter Roland Brandt: Bis zu 12 Meter
lange Werkstücke mit einem Gewicht bis zu
64 Tonnen lassen sich an den Fräsmaschinen
bearbeiten. Regie führen dabei elektronische
Steuerungen, die vorher von den Mitarbeitern
entsprechend programmiert worden sind.
Den klassischen Schlosser, wie man ihn von früher
kennt, mit ölverschmiertem Blaumann, den
Schraubenschlüssel in der Hand, das ist nicht
mehr der typische Mitarbeiter. „Das Berufsbild“,
erklärt Brandt, „hat sich schon verändert“. Zurzeit
beschäftigt die Firma Sander 40 Mitarbeiter,
darunter fünf Auszubildende.

Moderne Technik

Bei der Firma Sander verbindet man Größe aber
auch mit Präzision. Möglich wird das wiederum
durch den Einsatz moderner Technik. Es stehen
mehrere CNC-gesteuerte Bearbeitungsmaschinen
sowie eine CNC-gesteuerte Laserschneidanlage
zur Verfügung. An dieser Anlage werden
rund 2.700 Tonnen Blech im Jahr verarbeitet.

Die Geschäftsführer
Dirk Vogt
und Andreas Eder mit
Betriebsleiter Roland
Brandt vor dem Unterteil
einer Dampfturbine.

Die Firma Sander liefert, was andere Maschinenhersteller für ihr Endprodukt benötigen.
Das bedeutet, gearbeitet wird nach den Konstruktionszeichnungen
der Kunden. Dies können
auch 3-D-Modelle sein. Die Konstruktionsdaten
werden dann an speziellen Arbeitsplätzen
zu Maschinenprogrammen umgearbeitet und
per Datenleitung zu den Bearbeitungsmaschinen
gesendet. Entsprechend ist die Verarbeitungstechnik
ausgelegt. An den Maschinen sind
schwenkbare Fräsköpfe installiert, um Schrägbearbeitungen
oder auch fünfseitige Bearbeitungen
in einer Aufspannung durchführen zu können.
Der Werksbesucher geht durch die aufgeräumten
rund 2.800 Quadratmeter großen Hallen und steht staunend
vor den
XXXL-Werkstücken,
wie dem Unterteil einer
Dampfturbine, das
gerade bearbeitet wird.
„Rund 90 Maschinenstunden
stecken in dieser Halbschale, bis
sie fertig ist“, schildert Brandt. Die
zweite Hälfte, das Oberteil, wird später
bei der Endmontage aufgeschraubt. Dann
zeigt sich die Präzision, denn das Oberteil muss
100-prozentig zum Unterteil passen und die
Oberflächen perfekt eben und geglättet sein,
damit die Turbinengehäuse dicht sind.

Das Unternehmen hat Tradition. 1848 gegründet,
zählten früher die Kieswerke in der Umgebung
zu den großen Kunden. Sie gaben Baggereimer,
Antriebswellen oder Antriebs- und Umlenktrommeln
für ihre Förderbänder in Auftrag. Noch
heute werden in der Dreherei Rollen, Wellen und
hochpräzise Drehteile auf CNC-Drehmaschinen
für verschiedene Kunden hergestellt. 2009 wurde das Unternehmen von Andreas
Eder, Dirk Vogt und Andreas Hamann übernommen,
die als Geschäftsführer tätig sind.

Einzelteile und Kleinserien

Die Firma Sander fertigt Einzelteile und auch
Kleinserien für Kunden aus so unterschiedlichen
Branchen wie der Glasindustrie, dem Maschinen-
und Anlagenbau, der Straßenbauindustrie,
dem Schiffbau, der Automobil- sowie der Energieindustrie.
Gefertigt oder bearbeitet werden
unter anderem Dampfturbinen-Verdichter und
Getriebegehäuse, Krantraversen, Schweißlehren
und Mastverbinder für Betonmasten.

Im Unternehmen gibt es
zahlreiche verschiedene Metallverarbeitungsprozesse.

Das schwerste Maschinenteil, das hier bisher bearbeitet
worden sei, verriet Brandt am Schluss
der Werksbesichtigung, habe praktisch eine Verjüngungskur
erlebt. Mit einem Spezialtransport
sei eine Zementmühle angeliefert und von zwei
Autokranen entladen worden. Ihr Gewicht: 74
Tonnen. Auf einer Großmaschine mechanisch
bearbeitet hat die Mühle, auf 60 Tonnen abgespeckt,
die Firma Sander dann wieder verlassen.
Diese Zementmühle war eine Neukonstruktion
eines Kunden. Sie verbraucht bei der Herstellung
von Zement jetzt rund 25 Prozent weniger
Energie als früher. Doch um solche Erfolge
beim Energiesparen zu erzielen, ist zuerst einmal
viel Energie nötig. Deshalb ist Sander ein großer
Wasser-, Strom- und Gaskunde der Stadtwerke.

Mehr Informationen zum Unternehmen finden Sie unter
http://www.sander-mb.de