Menschenrettung an erster Stelle

Die Stadtwerke stellen ihr Hochwasserboot der Feuerwehr Rinteln zur Verfügung – für Hilfseinsätze an Land, auf dem Wasser, auf Eis und Schienen.

Bereits seit einigen Jahren gehört ein Flachwasserschubboot zum „Fuhrpark“ der Stadtwerke Rinteln. Bislang wurde es in Hochwassersituationen genutzt. „Es gibt technische Einrichtungen wie Trafostationen, die man bei Hochwasser nur erreichen kann, wenn sich Wasser unter dem Kiel befindet und das Boot schwimmt“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Ulrich Karl. Aus seiner Heimatstadt Düsseldorf kennt er sich mit solchen Situationen aus. Das 140 Kilogramm leichte Boot aus Aluminium ist für derartige Einsätze ideal. Es kann aber auch auf festem Grund genutzt werden: Durch die Ausstattung mit Reifen wird es bei Bedarf zu einer Art Schubkarre im Großformat.
Jetzt erfuhren die Stadtwerke: Die Feuerwehr Rinteln benötigt ein solches Hochwasserboot. Sie verfügt zwar über ein eigenes Rettungsboot, doch dieses kann wegen seines Tiefgangs nicht an jedem Einsatzort genutzt werden. Für die Eisrettung und bei Hochwasser ist es ungeeignet, und selbst bei Einsätzen auf Kiesteichen kann die Feuerwehr nicht darauf zurückgreifen. Die Teiche sind zu flach und zudem nicht mit Slip-Anlagen ausgestattet. Als Anfang des Jahres die Neuanschaffung eines Hochwasserbootes bei der Feuerwehr und der Stadt auf der Agenda stand und schon im Rathaus diskutiert wurde, zeichnete sich bald eine andere, überraschende Lösung ab: Die Feuerwehr kam mit den Stadtwerken über eine Nutzung ihres Flachwasserschubbootes ins Gespräch, da sie es nur selten selbst benötigen. Schnell zeigte sich Geschäftsführer Ulrich Karl offen für eine pragmatische Zusammenarbeit, und Anfang März übergaben die Stadtwerke das Boot an die Rintelner Feuerwehr – frisch beklebt mit Folien, die die Kooperation deutlich sichtbar machen: „Hochwasserboot Stadt Rinteln“ steht neben den Logos der Feuerwehr und der Stadtwerke auf dem Boot.
„Dass die Feuerwehr das Boot nutzen kann, bedeutet für die Bevölkerung einen verbesserten Schutz“, freut sich Dr. Joachim Steinbeck von der Stadt Rinteln, die das Boot zusätzlich mit einem 2,5-PS-Motor ausgestattet und einen Trailer angeschafft hat. „Unsere Zusammenarbeit hilft dem gesamten Stadtkonzern“, stellt Stadtwerke-Geschäftsführer Ulrich Karl fest.

Tag und Nacht einsatzbereit

Ortsbrandmeister Thomas Blaue kennt das Boot bereits genau. Wie nützlich es für die Feuerwehr werden könnte, stellt er am Beispiel einer Besonderheit heraus: „Wenn man die Spurkranzräder ausfährt, kann man damit sogar auf Bahnschienen fahren.“ Das Boot sei mit bis zu 800 Kilogramm belastbar und könne beispielsweise bei einem Bahnunfall wertvolle Dienste leisten. „Man kann damit schweres technisches Gerät auf Schienen zum Einsatzort transportieren und verletzte Personen sicher bis zum nächsten Bahnübergang bringen, um sie dort zu behandeln“, so Thomas Blaue. Auch zur Eisrettung von Mensch und Tier könne das Flachwasserschubboot eingesetzt werden.
Ab sofort steht das Boot im Feuerwehrgerätehaus an der Seetorstraße und ist dort Tag und Nacht einsatzbereit, etwa für Hilfeleistungen an den Sassenbergschen Kiesteichen, am Doktor- oder Helenensee und in der Hohenroder Auenlandschaft. „Selbstverständlich werden wir das Boot auch in den Ortsteilen nutzen, wenn es dort benötigt wird“, stellte Thomas Blaue klar. Auch den Stadtwerken steht das Boot für technische Einsätze nach wie vor zur Verfügung. Für Geschäftsführer Ulrich Karl sind die Prioritäten allerdings klar: „Die Menschenrettung steht immer an erster Stelle.“


Auf dem Foto oben: Ein Gewinn für Rinteln: Stadtwerke-Geschäfts­führer Ulrich Karl (re.) und Dr. Joachim Steinbeck (2. v. li.) von der Stadt Rinteln bei der Übergabe des Bootes an Ortsbrandmeister Thomas Blaue (li.) und Stadtbrandmeister Tim Schinz (2. v. re.).