Kompetenz und Zuverlässigkeit

Ohne IT, Informationstechnologie, geht nichts mehr bei den Stadtwerken. Verantwortlich für die Computer und das Netzwerk ist Joachim Spohr.

Thomas Rinnebach, Vertriebsleiterder Stadtwerke Rinteln, formuliertdie starke Abhängigkeit der Stadtwerkevon der IT in einem kurzen,unmissverständlichen Satz: „Wenndie Computer nicht mehr laufen,können wir hier abschließen.“ EinSatz, den übrigens jeder Managereines großen Unternehmens exaktgenau so sagen könnte. Das giltauch für den Alltag: Ohne Computertechnologielaufen nicht einmalmehr die Kassen im Supermarkt.

Auch

Auch der Computernachwuchszeigt schon Interesse: SohnMarius Spohr lässt sich vonseinem Vater die Technik imServerraum erklären.

Die Computertechnik der Stadtwerkeläuft in einem unauffälligenRaum neben dem Büro vonJoachim Spohr zusammen. DerRaum unterscheidet sich von allenanderen durch die kühlen Temperaturen.Auch im Hochsommer. Serverarbeiten nämlich am liebstenin einem Umfeld, in dem sich einMensch einen Pullover anziehenwürde. Der unbefangene Besuchersieht in diesem fensterlosen Raumeinfach einen mannshohen, offenenSchrank, vollgestellt mit Technik,und daneben ein Kabelgewirr,das die Kommunikation zwischenStadtwerken, GVS, Abwasserbetriebund dem Rest der Welt rund um die Uhr sicherstellt. Wie dasim Detail funktioniert? Betriebsgeheimnis.

Am einfachsten verstehen kannman die großen Datenmengen, mitdenen hier tagsüber in den Bürosgearbeitet wird, über das tägliche„Back-up“, das heißt, das Sichernund Speichern der Daten. Das läuftüber Nacht und dauert drei bis vierStunden. Und dabei, betont Spohr,werden nur die Daten gesichert, diesich im Laufe des Tages veränderthaben. Für ein komplettes Backupaller Daten der Stadtwerke undangeschlossenen Unternehmen hatsich Spohr deshalb die Wochenendenreserviert.

Sensible Daten

Stadtwerke-Daten sind ja auchKundendaten und damit sensibelzu handhaben. Deshalb werden dieDaten auf Festplatte und, abhängigvom System, auf Bändern gespeichert.Die wiederum kommen in einenfeuersicheren, verschlossenenRaum. Nur eine Zahl, um einmal dieGrößenordnung zu definieren: Aufein einziges Band passen 1,5 Terrabyte.Und davon gibt es eine stattliche Sammlung. Deshalb verstehtes sich von selbst, dass die Technikbeim kommunalen DienstleisterStadtwerke auf dem aktuellenStand ist. Spohr ist in diesem Systemauch der „Feuerwehrmann“,den man zu Hilfe ruft, wenn aufdem Bildschirm seltsame Zeichenund Muster erscheinen, das Systemabgestürzt ist oder jede Kommunikationverweigert. Was zum Glücksehr, sehr selten vorkommt. Damitdas nicht passiert, sichert schoneinmal von vornherein eine Firewallund mehrere Virenscans das Systemvor Schadsoftware ab.

Von Anfang an …

Seit September 1997 sind dieStadtwerke Rinteln auch im Internetmit einer eigenen Homepagepräsent. Es begann mit einer Testphase,erinnert sich Spohr, in dersich auf Anhieb 210 Besucher denneuen Internetauftritt angeschauthaben. „Visits“ nennt man das. ImOktober hatte Spohr dann gemeinsammit dem ComputerfachmannThomas Schmidt aus dem Auetaldie erste „richtige Homepage“mit 27 Seiten fertiggestellt. Eine Pioniertat in einer Zeit, als man nurüber ein Modem ins Internet kam.Das bedeutete: sonntags nie. Dennda waren alle Leitungen und derRechner in Hannover immer hoffnungslosüberlastet.

… präsent im Internet

Damals, erinnert sich Spohr, hatniemand so recht an die Zukunftder virtuellen Information im Internetgeglaubt. Alle haben sich gefragt,ob sich der Aufwand überhauptlohnt: „Es gab ja auch kaumBeispiele, an denen man sich hätteorientieren können.“ Dass esein Erfolgsmodell wurde, daraufhätte damals niemand gewettet.Die Homepage der Stadtwerke hatheute selbstverständlich längst einanderes Gesicht. Sieben bis achtNeugestaltungen, schätzt Spohr,haben die Seiten im Laufe der Jahreerfahren.

Als Industriemeister der MessundRegeltechnik und technischerBetriebswirt ist Spohr auch Spezialistfür das, was Bits und Bytesin Bewegung setzt – also die ganzhandfeste Technik hinter dem Bildschirm. Was passiert eigentlich, wenn derStrom ausfällt? Nichts, sagt Spohr,denn Akkus puffern das eine halbeStunde lang. Doch die würdenkaum gebraucht, denn nach spätestenszwei bis drei Minuten habensich die Notstromaggregate eingeschaltet.Und das funktioniert?„Klar“, sagt Spohr. „Jüngst ist inden Stadtwerken für Servicearbeitender Strom komplett abgestelltworden. Die Computer liefenfehlerfrei weiter.“Computertechnik bedeutet auchSchnelligkeit und besserer Service.Rechnungen mit der Maschine tippen?Das kann sich heute niemandmehr vorstellen.

Service für die Kunden

Auch der Kunde profitiert unmittelbardavon. Das neueste Beispieleiner internetbasierten Service-Leistung: Jeder, der sich anmeldet,kann Daten über Versorgungsleitungenauf seinem Grundstück, abgeglichenmit Katasteramtsdatenauf PC oder Tablet, in Minutenschnelleherunterladen. So etwasbraucht man, wenn Bauarbeitenanstehen und gebaggert werdenmuss. Auch die Nutzung von Solaranlagenund anderen Techniken dererneuerbaren Energien wären ohneIT nicht denkbar. Denn seit Stromauch von Kunden eingespeist wird,gibt es auf der als Einbahnstraßekonzipierten Stromleitung Gegenverkehrund der muss geregelt werden.

Spohr geht davon aus, dass dieseModelle noch weiterentwickeltwerden. Stichwort Smart-Grid.Dahinter steht die Idee, dass dieWaschmaschine im Haus nicht loslegt,wenn die Hausfrau sie einschaltet,sondern erst, wenn Stromim Überfluss vorhanden und damitbillig ist. Gesteuert wird das überden Zähler. Bisher scheiterte dasModell noch am Datenschutz. Aberdie Entwicklung geht weiter, es bietetsich technisch ja auch an: Solaranlagen,per Batterie gepuffert, vonder man je nach Bedarf Strom abziehenoder sie neu aufladen kann– das könnte die Zukunft werden.