Insolvenz der BEV

Der Strom- und Gasanbieter ist pleite. Und dies ist bereits die dritte Insolvenz in Folge.

In Deutschland kann jeder seinen Stromlieferanten frei wählen. Vergleichsportale wie verivox.de oder check24.de ermuntern zu einem Wechsel und setzen Unternehmen auf die vorderen Ränge, die mit hohen Boni locken. Auf den ersten Blick lässt sich so im ersten Jahr viel Geld sparen. Allerdings lohnt es sich, vor Vertragsabschluss sehr genau das Kleingedruckte zu prüfen. Denn einige Anbieter versprechen Strom zu Preisen, die bis zu einem Viertel günstiger sind als die Konkurrenz.

Geschäftsmodell ohne Zukunft
Geschäftsmodelle von den Discount-Stromanbietern sind oft unseriös kalkuliert und scheitern deshalb immer wieder. Denn bei allen Stromanbietern in Deutschland besteht der Strompreis zu rund 80 Prozent aus Kosten für Steuern und Abgaben sowie den staatlich regulierten Netzentgelten. Nur bei den letzten 20 Prozent bleibt ein kleiner, überschaubarer Spielraum für die Preisgestaltung. Deshalb ist es besonders wichtig, dass die Versorger bei den Beschaffungskosten nicht nur die kurzfristig günstigsten Angebote auszuwählen, sondern langfristig verantwortungsvoll Strom und Erdgas einkaufen. Nur so lässt sich eine sichere Versorgung zu fairen Preisen realisieren.

Ursache: gestiegene Beschaffungskosten
Eine unseriöse Preisgestaltung könnte auch der BEV Bayerische Energieversorgungsgesellschaft (BEV) zum Verhängnis geworden sein. Das Unternehmen hatte anlässlich der Insolvenz angegeben, durch gestiegene Energie-Beschaffungskosten in Schwierigkeiten geraten zu sein. Konkret dürfte das Unternehmen darunter gelitten haben, dass der BP-Konzern offenbar einen Liefervertrag zu Ende 2018 gekündigt hatte, wie die „Wirtschaftswoche“ berichtete. BEV musste daraufhin die Beschaffung umstellen und hatte zum Jahreswechsel massive Preiserhöhungen angekündigt. Nach etlichen Kundenbeschwerden hatte die Bundesnetzagentur im Januar ein Aufsichtsverfahren gegen die BEV eingeleitet.

Dritte Insolvenz in kurzer Zeit
Die BEV ist der dritte Energieanbieter in den vergangenen Monaten, der Pleite gegangen ist. Zuvor hatten bereits die Genossenschaft E:veen aus Hannover und Ende 2018 die DEG Deutsche Energie Insolvenz angemeldet. Und dies ist nur eine erneute Welle. 2011 wurde der Discounter Teldafax mit den Töchtern Optimal Grün und Löwenzahn Energie vom Markt gefegt, in den Jahren darauf folgten beispielsweise Flexstrom und Care Energy. Experten sind sich sicher: In diesem Jahr werden noch weitere Insolvenzen von Billigheimern folgen.

Sicher versorgt vor Ort
Kann ein Billiganbieter keinen Strom oder Gas mehr liefern, müssen dessen Kunden nicht im Dunkeln beziehungsweise Kalten sitzen. In Deutschland ist gesetzlich geregelt, dass dann der örtliche Grundversorger einspringt. Das läuft, ohne dass Sie etwas davon merken. Betroffene Kunden sollten sich trotzdem bei ihrem Lokalversorger melden. Der Discounter darf seine bisherigen Kunden auch nicht einfach an einen Ersatz-Versorger vermitteln. Dazu benötigt er die Zustimmung des Verbrauchers. Gute zu wissen: Eine Insolvenz bedeutet noch kein Sonderkündigungsrecht, doch sobald ein Lieferant wie beispielweise die BEV seine Leistung nicht mehr erbringt, haben Kunden ein außerordentliches Kündigungsrecht. Diese Kunden sollten auf jeden Fall Daueraufträge löschen beziehungsweise SEPA-Lastschriftmandate zurückziehen.