Effizient betreut

Die Lebenshilfe in der Waldkaterallee in Rinteln ist eine Welt für sich. Eine Welt, in der Herbert Meier und sein Mitarbeiter-Team sich darum kümmern, dass sie auch funktioniert.

Spiel

Spiel und Spaß sind auch für die Kinder bei der Lebenshilfe Rinteln ein ganz wichtiger Bestandteil des Alltags.

Es ist ein Gemeinwesen, in dem besondere Regeln gelten. Einfach deshalb, weil deren Bewohner durch ihre Handicaps besonderer Fürsorge bedürfen. An der Waldkaterallee finden Menschen Schutz und Hilfe, Ausbildung, Arbeit und Unterkunft. Durch ihre unterschiedlichen Behinderungen hätten sie große Probleme, den Alltag allein zu bewältigen.

Fast autonomes Gemeinwesen

Rund fünfhundertfünfzig Menschen leben und arbeiten in der Waldkaterallee, 350 Bewohner, rund 200 Mitarbeiter. Das mehr oder weniger autonome Gemeinwesen hat alles, was man so braucht: Frühförderung, Kindergarten, Tagesbildungsstätte und Schule, Wohnheime, ein Seniorenheim, eine eigene Großküche mit drei Profiköchen, einen Fuhrpark, eigene Handwerker: Maler, Maurer, Tischler, Kfz-Techniker, Busfahrer, Schlosser und eine eigene Werksfeuerwehr. Vertragsärzte haben sogar eigene kleine Praxen mit Sprechzimmern eingerichtet.

Als Herbert Meier und sein Team 1998 Gebäude und Gelände des ehemaligen Britischen Militärhospitals übernommen haben, wuchs im Winter bei Minusgraden frisches Grün auf dem Rasen überall dort, wo Fernheizungsrohre zu den Gebäuden verliefen. Energiesparen war für die Briten damals einfach noch kein Thema.

Die Stadtwerke haben gemeinsam mit dem Rintelner Unternehmen Eckel im Laufe der Jahre die Versorgung des weitläufigen Areals auf Effizienz und Sparmodus getrimmt. Zunächst wurde die Energieversorgung von Heizöl auf Erdgas umgestellt. Die Briten wirtschafteten noch mit einem Heizöltank, der sage und schreibe eine halbe Million Liter fasste.

Strom und Wärme vom Blockheizkraftwerk

Kernstück der neuen Technologie sind die beiden Blockheizkraftwerke (BHKW), die im Sommer heißes Wasser plus Strom liefern. Im Winter springen die zwei großen mit Erdgas betriebenen Kessel an. Wie das System läuft, erläutert Horst Piro, bei den Stadtwerken zuständig für den Wärmeservice, mit einem einfachen Bild: Stellen Sie sich vor, Sie schalten den Motor eines Sechszylinders ständig ein und aus, dann verbraucht er mehr Sprit. Das Gleiche würde passieren, wenn den großen Heizkesseln keine Blockheizkraftwerke vorgeschaltet wären. Die sorgen nämlich bei kurzfristigem Wärmebedarf, beispielsweise der Duschen, für warmes Wasser. Wird mehr gebraucht, fahren die Techniker die Kessel hoch.

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Seit 14 Jahren residiert die Lebenshilfe als Einrichtung zur Betreuung und Förderung von entwicklungsverzögerten, geistig und geistig-körperlich behinderten Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen an der Waldkaterallee. Für Meier und seine Mitarbeiter bedeutete das eine Zeit ständigen Modernisierens, Umbauens und neu Gestaltens. Entstanden sind aus der Substanz des Militärhospitals wohnlich eingerichtete Zimmer und Aufenthaltsbereiche, funktionelle Räume, selbstverständlich behindertengerecht, in denen man sich wohlfühlen kann. Manche Struktur des Hospitals sei durchaus hilfreich gewesen, schildert Meier. Beispielsweise die großen Fahrstühle, in denen auch Rollstuhlfahrer und Betten Platz haben.

60 000 Kinder haben im ehemaligen Britischen Militärhospital (BMH) das Licht der Welt erblickt und noch heute kommen Briten aus aller Welt nach Rinteln, um ihre Geburtsstätte zu besuchen. Jüngst hat sich bei Meier ein Ehepaar aus Australien angemeldet. Allen wird selbstverständlich ein Rundgang über das Gelände geboten und sie staunen, was Meier und seine Mitarbeiter aus dem einstigen Militärgelände gemacht haben. Pionier ist die Rintelner Lebenshilfe bei der Versorgung behinderter Senioren. Theoretisch könnte ein Behinderter sein ganzes Leben vom Baby- bis zum Greisenalter in dieser Einrichtung verbringen. Alles, was er braucht, ist da, und was auf dem Gelände nicht existiert, wird von einem der Busse der Lebenshilfe angefahren: beispielsweise die Werkstätten der Paritätischen Lebenshilfe im Industriegebiet Süd.

Mobil mit dem eigenen Fuhrpark

Auf den Fuhrpark, den die Lebenshilfe an der Waldkaterallee betreibt, könnte mancher Spediteur stolz sein. Die Busse werden für zwölf Linien gebraucht, um die Bewohner und Behinderte von zu Hause zu Schulen, Werkstätten, Veranstaltungen und zurück zu bringen. Behinderte brauchen einen Sitzplatz, einen Sicherheitsgurt, im Bus muss Raum sein für Rollstuhlfahrer. Das alles, sagt Meier, kann der öffentliche Nahverkehr logischerweise nicht leisten. Ganz abgesehen davon, dass ein geistig behinderter Mensch kaum an der richtigen Haltestelle aussteigen würde.

Wo über 500 Menschen leben, lernen und arbeiten, tobt das Leben. Es gibt kein Wochenende ohne ein Angebot, eine Veranstaltung, sagt Meier. Die Lebenshilfe kooperiert mit heimischen Sportvereinen, hat eine eigene erfolgreiche Fußballmannschaft, die jüngst mit einem Pokal aus Barcelona wiedergekommen ist. Eine Reithalle ist gebaut. Hier soll demnächst therapeutisches Reiten angeboten werden. Mitarbeiter haben Grillhütten gezimmert, neue Spielplätze angelegt und Meier hat weitere Pläne: Der Bau eines Hallenbades ist vorstellbar, das würde Fahrten sparen, ein eigener großer Veranstaltungsraum wird als Konzept diskutiert.

Noch heute ist die Lebenshilfe, was sie von Anfang an war: ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der 1966 mit neun Kindern in angemieteten Räumen in der Bäckerstraße begonnen hat. Meier, seit den Anfängen dabei, sieht manche aktuelle Entwicklung in der Sozialpolitik skeptisch. Integrationsklassen beispielsweise seien sicher gut gemeint, aber Lehrer, Eltern wie Kinder oft überfordert. Für Meier noch entscheidender: „Kommen behinderte Kinder dieser Klassen aus dem Schulalter heraus, ist es mit der Integration ohnehin mit einem Schlag vorbei. Für einen geistig Behinderten finden sie heute keinen Platz mehr auf dem freien Arbeitsmarkt in unserer auf Effizienz getrimmten Leistungsgesellschaft.“

Dass in der Lebenshilfe viele Dinge anders organisiert sind, zeigt sich auch bei den Tieren. Die Sennhunde Luna, Felix und Aika sind die Maskottchen der Einrichtung. Felix fehlt übrigens eine Hüfte. Meier hat den Hund trotzdem genommen: „Wir sind eine Behinderteneinrichtung, also passt zu uns auch ein behinderter Hund.“


Hilfe für die Lebenshilfe

Weitere Informationen zur Lebenshilfe Rinteln e. V. unter www.lebenshilfe-rinteln.de.Sie möchten die Arbeit des Vereins finanziell unterstützen? Die Spendenkonten lauten:

Sparkasse Schaumburg
BLZ: 25551480
Kto: 510313935

oder

Volksbank Bückeburg – Rinteln eG
BLZ: 25591413
Kto: 2427786000

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