Doppelt hält besser

Theorie und Praxis fundiert verbinden – das ist der Ansatz in dualen
Studiengängen. Die Studenten arbeiten im Wechsel im Ausbildungsunternehmen
und studieren an einer Fachhochschule.

Kathrin
Kirchhoff strebt
den Bachelor of Arts
als Betriebswirtin an

Die besten Vereinbarungen im Leben sind die,
von denen beide Partner optimal profitieren. Auf
dem Ausbildungssektor gibt es für so ein Modell
einen Begriff: Duales Studium. Also nicht erst
studieren und dann ins Unternehmen, sondern
beides gleichzeitig. Es ist die Kombination von
Studium und Ausbildung, von Theorie und Praxis
– eine klassische Win-win-Situation.
Horst Söffker, der kaufmännische Leiter und
Prokurist der Stadtwerke, hatte vor drei Jahren
angeregt, dieses Modell bei den Stadtwerken
anzubieten. Ein Modell, das in Rinteln auch andere
Unternehmen favorisieren, beispielsweise
die riha WeserGold Getränke GmbH & Co KG.

Der Duale Studiengang ist ein Erfolgsmodell
geworden. Spricht man Horst Söffker auf das
Duale Studium an, dann ist er vorbehaltlos von
den Vorteilen überzeugt: Alle Studienmodule
sind praxisorientiert. Zustimmung gibt es
auch bei den vier Studierenden der Stadtwerke.
Übereinstimmend heißt es: „Wir haben es nicht
bereut.“ Theorie und Praxis, so die Studenten,
seien in der Ausbildung sinnvoll miteinander verbunden.
Man verstehe schnell, wie „Wirtschaft
funktioniert“ und könne bald selbst gestalten
und Verantwortung übernehmen.
Und alle vier machen den Stadtwerken als
regionalem Unternehmen ein besonderes
Kompliment: „Wir haben mit Studienkollegen
gesprochen, die bei großen Energieversorgungsunternehmen
studieren. Diese dürfen dort in den
Praxisphasen der ersten Semester überwiegend
nur an Planspielen arbeiten. Wir bei den Stadtwerken
arbeiten bereits praxisorientiert mit. Das
macht einen großen Unterschied!“

Marcel Sprick, Nils Blaue und Kathrin Kirchhoff
studieren an der Hochschule Weserbergland
in Hameln am Stockhof, Jan Philipp Giltmann
in Bielefeld. Für ihn ist es gewissermaßen ein
„Heimspiel“, denn er ist seit 2006 bei den Stadtwerken,
hat sich erst zum Elektroniker ausbilden
lassen, dann das Studium aufgenommen.
Durch eine Projektgruppe am Gymnasium sei
er auf die Stadtwerke aufmerksam geworden,
schildert Nils Blaue. Bei Marcel Sprick war es der
„Tag der offenen Tür“ bei den Stadtwerken, der
bei ihm das Interesse für Energiewirtschaft geweckt
habe.

Spezialisiert auf Energiewirtschaft

Auf dem Stundenplan der „dualen Studenten“
stehen neben den klassischen Fächern für einen
Betriebswirt, wie beispielsweise Rechnungswesen,
auch speziell auf die Stadtwerke abgestimmte
Lerninhalte wie Regulierungsmanagement,
Energieerzeugung und Energiehandel.
Dass ein weiterer Schwerpunkt elektronische
Datenverarbeitung im kaufmännischen wie technischen
Bereich ist, versteht sich von selbst.
Selbst die Arbeit der Techniker wird heute auf
der Baustelle mit dem Laptop unterstützt.
Sprick, Blaue und Kirchhoff werden ihr Studium
an der Hochschule mit einem Bachelor of Arts
als Betriebswirt, Fachrichtung Energiewirtschaft
abschließen. Jan Philipp Giltmann wird den Bachelor
of Engineering machen.

Im Prinzip könnten die Stadtwerke ihre Betriebswirte
auch von außerhalb einstellen, sagt Söffker.
Doch das Besondere sei eben, dass man
den Betriebswirten, die ein duales Studium absolviert
haben, wenn sie fertig sind, nicht mehr
erzählen müsse, wer wo für was bei den Stadtwerken
zuständig ist. Das wissen sie bereits.Die kennen sich schon bestens im ganzen Haus
aus. Mehr noch: Sie sind auch mit der Materie
vertraut, dem speziellen Bereich, in dem sie
arbeiten werden. Das ist ein Vorteil für den Mitarbeiter
wie für den Betrieb.
Die Semesterarbeiten, schildert Söffker, werden
in Zusammenarbeit mit den Professoren
konzipiert. Diese sind praxisorientiert und beschäftigen
sich beispielsweise mit für den Laien
so exotischen Dingen wie dem Kalkulieren der
Netzentgelte. Bereits durch die Ergebnisse der
Semesterarbeiten zeichne sich ab, wer besondere
Talente habe und wer auf welchem Fachgebiet
besonders fit sei.
Wobei sich weder der Student noch die Stadtwerke
festlegen, betont Söffker. Die Stadtwerke
übernehmen zwar die Studiengebühren, aber einen
Studenten per Vertrag zu verpflichten, auch
nach erfolgreichem Studium bei den Stadtwerken
anzufangen, „da würden wir zu viel Druck
aufbauen“. Umgekehrt können die Stadtwerke
eine Einstellung von den gezeigten Leistungen
abhängig machen.

Das Kombiangebot erfordert vom Studenten wie
vom Unternehmen, also den Stadtwerken, ein erhebliches
Engagement. Das ist auch der Grund,
warum die Stadtwerke frühestens ab 2016 neue
Plätze für das Duale Studium anbieten werden.
Bei den Studenten ist der Stundenplan straff organisiert.
Wer ein klassisches Studentenleben
sucht und ein Semester auch mal „verbummeln“
möchte, der ist hier fehl am Platz. Die Studenten
sagen: „Wer dual studiert, muss sich gut organisieren
können.“ Es ist ein Studium, das sich an
den Entwicklungen der Wirtschaft ausrichtet:
Die Studierenden der Hochschule Weserbergland
sind in den ersten drei Semestern überwiegend
an der Hochschule tätig, in der zweiten
Stufe überwiegend im Unternehmen.


Mehr Informationen

Details zum Dualen Studium auf der Homepage
der Hochschule
, weitere
Informationen erhalten Sie bei den Stadtwerken
Rinteln von Horst Söffker:
horst.soeffker@stadtwerke-rinteln.de