Aus dem Rheinland nach Rinteln

Ulrich Karl heißt der neue Geschäftsführer, der in der Welt der Energieversorgung
seit Jahrzehnten zu Hause ist.

In der TREND stellt sich der 54-Jährige vor und umreißt Perspektiven für die Stadtwerke Rinteln und die Branche.

Mit Beginn des neuen Jahres hat Ulrich Karl die Aufgaben von Jürgen Peterson im Unternehmensverbund übernommen. Der neue Geschäftsführer stammt aus Meerbusch, einer Kleinstadt nahe der rheinischen Metropole Düsseldorf.
Man könnte behaupten, die Branchenwahl sei ihm bereits in die Wiege gelegt worden. Sein Vater war Installateurmeister und arbeitete bei den Stadtwerken Düsseldorf. Seine eigene Lehre zum Gas-/Wasser-Installateur machte Ulrich Karl in einem mittelständischen Handwerksbetrieb. Nach dem Diplomstudium der Versorgungstechnik an der Fachhochschule Köln startete er seine Karriere bei den Stadtwerken Düsseldorf, zunächst als Gruppenleiter, später als Abteilungsleiter des Rohrleitungsbaus. Nach neun Jahren wechselte er zu den Stadtwerken Münster, wo er von 2010 an als Hauptabteilungsleiter für Planung, Bau und Betrieb aller Netze wirkte – vom Strom bis zur Telekommunikation. Zudem verantwortete er die Wasserwerke und Lagerwirtschaft. 2016 ging Ulrich Karl als technischer Leiter zur Monheimer Elektrizitäts- und Gasversorgung GmbH (MEGA). Nebenberuflich war er unter anderem zwei Jahre als Dozent an der Fachhochschule Köln tätig und arbeitete seit 1999 in verschiedenen Gremien des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW) mit.
Nun habe er mit 54 Jahren eine neue Aufgabe gesucht und diese in Rinteln gefunden, verriet Ulrich Karl in einem Gespräch. In Münster habe er zum ersten Mal von der Weserstadt gehört, weil die Stadtwerke Rinteln Mitglied der Kooperative Nordwest sind. „Nach dem ersten Bewerbungsgespräch haben meine Frau und ich gemeinsam Rinteln besucht und eine Radtour bis zur Porta und zurück gemacht. Dabei ist uns erst klar geworden: Dort, wo ich arbeiten werde und wo wir leben wollen, da machen andere Urlaub!“
Wo die Aufgaben für die Zukunft der Stadtwerke liegen, ist für den neuen Geschäftsführer keine Frage. Die besonderen Herausforderungen lägen in der Energiewende, dem Klimawandel und der Digitalisierung. Zu meistern seien etwa der Ausbau der erneuerbaren Energien, die CO2-Reduktion, Smart Grid und Smart Meter, die E-Mobilität sowie die Weiterentwicklung und Nutzung der Wasserstofftechnologie. Die Bundesregierung habe hier bereits die Weichen gestellt. Ulrich Karl erinnert sich, dass in den Verbänden schon früh über die Idee diskutiert wurde, wie das Erdgasnetz für den Wasserstofftransport genutzt werden kann: „Dabei gibt es auch heute noch offene technische Herausforderungen, aber auch Grenzen werden deutlich.“
Stichwort Energiemarktliberalisierung: Zum Glück, erläuterte der neue Mann an der Spitze der Stadtwerke Rinteln, habe sich der Hype um das Strom- und Gaspreis-Hopping abgeflacht. „Die meisten Kunden haben erkannt, dass kein Unternehmen Geld zu verschenken hat und dass sich die scheinbaren Vorteile von Billiganbietern schnell in Luft auflösen können. Das haben die Insolvenzen verschiedener Anbieter gezeigt.“
Stichwort Smart Grid (intelligente Stromnetze): Durch den Ausbau der erneuerbaren Energien etwa mit privaten PV-An­lagen und die Förderung der E-Mobilität bedarf es aus Sicht von Ulrich Karl der Überplanung und, falls nötig, des Umbaus der heutigen Stromnetze. Welchen Mehrwert für die Kunden die Einführung moderner und intelligenter Stromzähler habe, die von der Bundesregierung vorgegeben sei, und ob sie von den Kunden angenommen werde, das werde die Zukunft zeigen.
Im Blick hat der neue Geschäftsführer auch den Unternehmensverbund als Arbeitgeber. Langfristig könne der Mangel an Facharbeitern und Nachwuchskräften auch die Bäderbetriebe und Stadtwerke erreichen. Hier stehe man im Wettbewerb und müsse, wie bereits geschehen, weiter die Initiative ergreifen: „Im Unternehmensverbund Stadtwerke, Bäder, GVS und Abwasserbetrieb bieten wir mehr als sichere Arbeitsplätze: Unsere Mitarbeiter gestalten die Energiewende mit, leisten ihren Beitrag zur sicheren Versorgung der Stadt Rinteln mit Strom, Gas, Wasser, Wärme und Abwasser und tragen zum Freizeitvergnügen der Bürger in den Bädern bei.“
Für die nahe Zukunft seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie ein Unsicherheitsfaktor, so Ulrich Karl. Sollten heimische Unternehmen verstärkt davon betroffen werden, würde dies auch an den Stadtwerken nicht spurlos vorübergehen.