Aus allen Fugen

Die Stadtwerke Rinteln springen in Rinteln als Ersatzversorger ein.

Sie sorgen dafür, dass es auch solche Haushalte durchgehend hell und warm haben, die von ihren Lieferanten im Stich gelassen wurden. Das ist der Job eines Grundversorgers und für die Stadtwerke Ehrensache.

Seit September 2021 kennen die Preise an den Beschaffungsmärkten für Gas und Strom nur eine Richtung: nach oben. „Eine solche Preisexplosion habe ich in meiner beruflichen Laufbahn noch nicht erlebt; die Einkaufspreise haben sich in wenigen Monaten vervielfacht, der ganze Markt gerät aus den Fugen, das Wort Energiekrise trifft voll zu“, kommentiert Thomas Rinnebach die Entwicklungen auf dem Energiemarkt. Der Vertriebsleiter der Stadtwerke Rinteln erklärt, dass sich gerade in einer solchen Situation die risikoarme Beschaffungspolitik der Stadtwerke Rinteln in den vergangenen Jahren bewährt hat: „Wir kaufen die Energie für unsere Privatkundinnen und -kunden zeitversetzt in Tranchen ein. So minimieren wir das Risiko, große Mengen zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzukaufen.“ Die Stadtwerke können den Energiebedarf im Vorfeld aber nie kilowattstundengenau kalkulieren. Daher beschaffte der kommunale Versorger in den letzten Jahren grundsätzlich gewisse Mengen Strom und Gas erst am Jahresende für seine Kundinnen und Kunden.
Zusätzlich zu diesen Restmengen benötigen die Stadtwerke Energie für Kundinnen und Kunden, die von Lieferausfällen ihrer Anbieter betroffen sind. „Wir haben als sogenannter Grundversorger eine besondere Verpflichtung gegenüber Haushalten, deren Lieferant unerwartet ausfällt.“ Und das passiert aktuell: Billigenergieanbieter wie stromio.de, gas.de und andere haben ihre Kundinnen und Kunden kurzfristig quasi vor die Tür gesetzt und die Belieferung eingestellt. Der Grund dafür: Ihr Preismodell lohnt sich nicht mehr. Für diese Kundinnen und Kunden haben die Stadtwerke jedoch keine Strom- und Gasmengen eingeplant und müssen diese jetzt kurzfristig teuer einkaufen.
Billigenergieanbieter beschaffen Energie meist nicht langfristig im Voraus, sondern spekulieren kurzfristig am Spotmarkt. „Die Rechnung geht für sie jetzt nicht mehr auf, sie würden draufzahlen“, erläutert Thomas Rinnebach die Situation und fügt an: „Um ihre Erträge abzusichern, haben sie sich lieber schnell ihrer Kunden entledigt, zu Lasten der Grundversorger. Das ist unseriös.“ Rund 300 auf diese Art gestrandete Haushalte haben die Stadtwerke Rinteln in den vergangenen Wochen aufgenommen. „Für die Betroffenen war das erst mal ein Schock – aber keine Sorge. Wir versorgen sie nahtlos ersatzweise mit Strom und Gas“, sagt Thomas Rinnebach und ergänzt: „Wir sind in Rinteln Grundversorger. Und als solcher haben wir eine besondere Verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger: Der Strom muss fließen, und die Gasheizung muss laufen.“ Grundversorger ist immer der Lieferant, der die meisten Haushalte in einem Netzgebiet mit Strom oder Gas beliefert.

Verantwortung als Grundversorger

Rund eine Million Verbraucher wurden in den letzten Monaten deutschlandweit von ihren Energieversorgern über Nacht vor die Tür gesetzt. Für viele Stadtwerke bedeutet das eine große Herausforderung. Denn sie sind jetzt gezwungen, zu den aktuell horrenden Preisen am Einkaufsmarkt kurzfristig die gesamte Energie für all die Haushalte zu beschaffen, die in ihrem Netzgebiet plötzlich ohne Lieferanten dastanden. „Und das sind weit mehr als üblich; dafür reicht die Reserve nicht“, meint der Vertriebsleiter.

Situationsbedingte Preispolitik

Die Stadtwerke Rinteln haben mit spitzem Bleistift gerechnet: „Kurzfristige kleine Schwankungen am Einkaufsmarkt können wir durch unsere risikoarme Beschaffungspolitik in der Regel gut ausgleichen, die aktuelle Steigerung auf ein Vielfaches für die noch zu beschaffenden Mengen lässt sich jedoch nicht abfedern. Deshalb kommen auch wir um eine Preiserhöhung zum 1. April 2022 nicht herum“, bedauert Thomas Rinnebach und verspricht: Wenn die staatlichen Abgaben und Umlagen fallen, schon bereits im Frühjahr zeichnet sich ein Ende der EEG-Umlage zum 01.07.2022 ab, sinken auch die Preise für unsere Kundinnen und Kunden.“

Historische Entwicklung am Beschaffungsmarkt

Vertriebsleiter Thomas Rinnebach fasst die jüngsten Entwicklungen zusammen: „Die unseriösen Praktiken der Billiganbieter und die große Nachfrage nach Energie auf den globalen Handelsplätzen sind die größten Kostentreiber, aber nicht die einzigen. Zwei Beispiele: Nach der ersten Covid-19-Welle ist die Wirtschaft nahezu weltweit gleichzeitig wieder angesprungen. Hinzu kommt, dass im vergangenen Jahr wegen ungünstiger Witterung weniger Strom aus Sonne und Wind erzeugt worden ist und mehr Gaskraftwerke einspringen mussten, um die Lücke zu decken. Hohe Gaspreise wirken sich also auch unmittelbar auf den Strompreis aus. Politische Wirren und die fortlaufende Verteuerung von CO2-Emissionen tun ein Übriges.“
Wie es mit den Energiekosten am Beschaffungsmarkt weitergeht, kann aktuell keiner sagen. Energieversorger wie die Stadtwerke Rinteln hoffen auf eine gewisse Entspannung, sehen jedoch in der Energiewende größere Chancen auf eine preislich stabilere Energieversorgung. „Für Hausbesitzer und Mieter gibt es bereits zahlreiche Möglichkeiten für die direkte Nutzung erneuerbarer Energien. Wir beraten sie gerne telefonisch per Mail oder auch persönlich.“


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