Auf Wiedersehen!

Nach 27 Jahren als Geschäftsführer ist Jürgen Peterson jetzt im Ruhestand. Mit ihm sind die Stadtwerke zu einem modernen Unternehmensverbund gereift.

Einen städtischen Eigenbetrieb in ein modernes Wirtschaftsunternehmen umzuwandeln ist ein Unterfangen, das viel Fingerspitzengefühl erfordert. Bei den Stadtwerken Rinteln übernahm diese Aufgabe 1993 Jürgen Peterson, der in der Kreis- und Stadtverwaltung der Region seine dienstlichen Wurzeln hat. Er erwies sich als genau der Richtige für die neue Position, als jemand, der mit Verwaltungsabläufen und Befindlichkeiten parlamentarischer Gremien ebenso vertraut war wie mit städtischer Infrastruktur und den Herausforderungen, die der gesellschaftliche und wirtschaftliche Wandel mit sich brachte: Stadt- und Dorfsanierungen, Ausbau von Industriegebieten, neue Wasserrichtlinien, Strompreisliberalisierung, neue Technologien und Energiewende.
Jürgen Peterson begann seine Ausbildung beim damaligen Landkreis Grafschaft Schaumburg, wechselte anschließend nach Stadthagen zum neuen Landkreis Schaumburg ins Amt für Wirtschaftsförderung und kehrte 1981 nach Rinteln zur Stadtverwaltung zurück. Im Hauptamt kümmerte er sich zunächst um das Personalwesen, später wurde er Kämmerer, der Mann für die Finanzen. Um Geschäftsführer der Stadtwerke werden zu können, gab er seinen Beamtenstatus auf.
In der neuen Position packte Jürgen Peterson eine Vielzahl von Projekten an, die Rinteln bis heute zugutekommen. Gemeinsam mit seinem damaligen Geschäftsführerkollegen Jörg Karlikowski, heute Geschäftsführer der Stadtwerke Detmold, trieb er die Übernahme des Stromnetzes von der Elektrizitätswerk Wesertal GmbH in den Ortsteilen von Rinteln voran, fand dafür Mitstreiter im Rat und eine Mehrheit für die Millioneninvestition. Eine Entscheidung, die sich als wirtschaftlich erweisen sollte.
In Abstimmung mit dem Stadtrat sorgte Jürgen Peterson mit seinem Team dafür, dass nach und nach das städtische Kanalsystem von Misch- auf Trennkanäle umgestellt wurde. Er erweiterte das Erdgasnetz, ließ neue Trinkwasserhochbehälter errichten und am Heinekamp einen weiteren Tiefbrunnen bohren – ohne den sich die Stadt im extrem trockenen Sommer 2019 mit einem Wasserversorgungsproblem hätte herumschlagen müssen.
Durch Kooperationen mit umliegenden Stadtwerken und Kommunen sind die Rintelner Stadtwerke heute bis ins Auetal, Kalletal, Ostwestfalenlippe und das Weserbergland vernetzt. So sichert etwa die Zusammenarbeit mit rund 300 Landwirten im Rahmen der IG Weser GmbH (Interessengemeinschaft Wasserversorgungsunternehmen Weser) – ein Zusammenschluss von sechs Wasserversorgern – die Trinkwasserqualität in der Stadt. Bei den Nitratwerten liegt Rinteln deutlich unter den Grenzwerten. Zudem sind die Stadtwerke Mitbegründer eines Biogas- Pools und beteiligten sich an der Windgesellschaft Kalletal. 2014 wurden die Stadtwerke Lippe-Weser aus der Taufe gehoben – eine gemeinsame Gründung der Stadtwerke Rinteln, Bad Salzuflen, Detmold, Lemgo und Vlotho. Und schließlich ist die gemeinsam mit der Gemeinde Auetal gegründete Netzgesellschaft Auetal seit 2015 Eigentümerin des Stromnetzes im Auetal.
Bei vielen neuen Technologien waren die Stadtwerke Rinteln Vorreiter. Als eines der ersten niedersächsischen kommunalen Unternehmen stellten die Stadtwerke Ladestationen für Elektroautos auf. Immer wieder wurde die Straßenbeleuchtung an die neue Technologie angepasst, zuletzt in weiten Teilen an energieeffiziente Leuchtdioden (LED). Im damaligen Kreiskrankenhaus nahmen die Stadtwerke das erste Blockheizkraftwerk in Betrieb. Zudem bauten sie Fotovoltaikanlagen auf die Dächer öffentlicher Gebäude, installierten eine Bürgersolaranlage in Deckbergen und beteiligten sich an einem innovativen und weithin beachteten Projekt im Landkreis Lippe: der Überdachung stillgelegter Mülldeponien bei Detmold und in Dörentrup mit ausgedehnten PV-Solaranlagen.

Auf unaufdringliche Weise mittendrin: Als Geschäftsführer trieb Jürgen Peterson zukunftsweisende Energieprojekte voran, darunter die Nutzung von Dächern der Region für den Ausbau der Sonnenenergie…

und die Gründung des „Solarzentrum Extertal“.

Auf den Mai- und Herbstmessen in Rinteln sowie beim Tag der offenen Tür sind die Stadtwerke immer präsent – und Jürgen Peterson stieg im Laufe der Jahre unerschrocken in so manches flotte Fahrgeschäft.

Mit den Stadtwerken als Sponsor unterstützte er die heiß begehrten Hannover-96-Trainingscamps für kickende Kids.

Im Blick behielt er auch die Lebensqualität in der Stadt: Er machte sich für den Erhalt und die Sanierung des beliebten Weserangerbads stark.

Bürgermeister Thomas Priemer und Stadtwerke Geschäftsführer Jürgen Peterson bei der Eröffnung
der Mai-Messe 2017.

60 Jahre Rintelner Messe: Jürgen Peterson erhält den Messetaler von Bürgermeister Thomas Priemer (alle Fotos: Schaumburger Zeitung).

Gemeinsam für Rinteln

Unter der Führung von Jürgen Peterson schlossen sich die Stadtwerke Rinteln mit den Bäderbetrieben, der Gemeinnützigen Verwaltungs- und Siedlungsgesellschaft mbH (GVS) und dem Abwasserbetrieb Rinteln zu einem Unternehmensverbund zusammen. Gemeinsam übernimmt dieser heute unverzichtbare Aufgaben für die Stadt und ihre Bürgerinnen und Bürger: Er versorgt private Haushalte wie Gewerbebetriebe mit Strom, Gas und Wasser, betreibt die Kläranlage und das Kanalsystem wie auch das Freibad und die beiden Hallenbäder in Steinbergen und an der Burgfeldsweide. Die GVS kümmert sich um die Parkhäuser und verwaltet öffentliche Gebäude, darunter Grundschulen, Feuerwehrgerätehäuser, Dorfgemeinschaftshäuser und das Rathaus.
Für junge Leute sind die Stadtwerke Rinteln zudem ein viel gefragter Ausbildungsbetrieb geworden. Derzeit absolvieren hier 22 Frauen und Männer ihre Berufsausbildung, einige von ihnen im Rahmen eines dualen Studiums.
Jürgen Peterson muss man in Rinteln nicht vorstellen – man kennt ihn einfach in der Weserstadt. Er engagiert sich im Vorstand der Dorfgemeinschaft sowie in der Feuerwehr und lebt mit seiner Frau in Friedrichshöhe. Die drei Kinder sind erwachsen, zwei Enkelkinder bereichern bereits die Familie. Gefragt, ob er im Ruhestand eine Weltreise antreten werde, musste Jürgen Peterson lachen. Nein, „Haus und Hof“ gefielen ihm da besser.
Gern blickt er auf die ereignisreichen Jahre zurück: „Besonders am Herzen gelegen hat mir immer das Zusammenwirken mit Stadtrat, Aufsichtsrat, Bürgermeister, Verwaltung, Verbänden, Institutionen, Betrieben und mit den Bürgerinnen und Bürgern. Für diese gute Kooperation möchte ich mich bei allen bedanken. Sie war eine entscheidende Grundlage für den Aufbau des Unternehmensverbundes.“
Einen ganz besonderen Dank für ihre engagierte Arbeit richtet Jürgen Peterson an seine Kolleginnen und Kollegen bei den Stadtwerken, den Bädern, der GVS und dem Abwasserbetrieb,aber auch an die Kundinnen und Kunden: „Sie alle bildeten das Fundament der Unternehmen rund um die Stadtwerke Rinteln und bleiben für ihre weitere Entwicklung unverzichtbar.“
Jetzt, so Jürgen Peterson, gehe es darum, sich den Herausforderungen des fortschreitenden Klimawandels und der damit verbundenen eingeleiteten Energiewende zu stellen: „Dabei wünsche ich allen Beteiligten und besonders meinem Nachfolger Ulrich Karl eine glückliche Hand und viel Erfolg!“